Im Schreckentempo: Der Verfall Europas

Natürlich geht es an diesem Wochenende mit dem Ausgang der Wahl in Griechenland und – nota bene – auch in Frankreich erneut um den Bestand des Euro. Allerdings ist für Viele dessen Schicksal bereits besiegelt: Es droht das Aus. Zum einen liegt das daran, dass die Aussichten immer mehr schwinden, dass die Krisenländer, allen voran Griechenland, bereit wären, ihre eingegangenen Verpflichtungen zur Einleitung struktureller Reformen mit dem Ziel, die Konkurrenzfähigkeit aus eigener Kraft zu stärken, auch tatsächlich einzuhalten. Ein weiterer Grund ist die sich immer stärker abzeichnende Weigerung der Länder und Institutionen, wie Deutschland und andere Euroländer, der IWF und Teile der EZB, die bislang die Kreditfähigkeit der Krisenländer wie Griechenland und Spanien auf den internationalen Kapitalmärkten aufrecht erhalten haben, durch weitere Stützungsmaßnahmen erneute Zeitpuffer für die überfälligen Reformen zu schaffen. Inzwischen frisst sich der Zweifel immer stärker auch in die gutgläubigste Anhängerschaft des Euro, die bislang parteiübergreifend in Berlin anzutreffen war. Inzwischen dämmert es auch der Kanzlerin, dass der Bonitätstransfer in Richtung Südeuropa die eigene Kreditwürdigkeit gefährden könnte. Bald, sehr bald könnte es dann vorbei sein mit den Wunderlandszenario von Wachstum, Preisstabilität und niedrigen Zinsen.

So schmerzhaft auch die Aussicht auf ein Scheitern des Euro-Projektes sein mag, so könnte sich dies nicht nur als das Ende einer vergeblichen Bemühung erweisen, den Euro dauerhaft als eine der wichtigen Währungen der Welt zu etablieren, sondern vielmehr als den Anfang von dem Zerfall des politischen Projektes Europa. Es ist ja immerhin schon bemerkenswert, wie im diametralen Gegensatz zu allen offiziellen Beteuerungen die zentrifugalen Kräfte zunehmen, obwohl noch nie soviel Geld in so kurzer Zeit in ein Projekt investiert wurde. Trotz aller Sparrethorik ist es ja vor allem Deutschland gewesen, das mit unvorstellbar grossen Summen in das Projekt Euro investiert hat. Mehr als 100 Milliarden Euro mindestens sind glatt verloren, wenn es denn zum Kollaps kommt. Dennoch steht die Kanzlerin und Deutschland am Pranger, zu wenig zu langsam und zu schleppend getan zu haben, um den Krisenländern aus der Klemme zu helfen. Statt Dank kassiert Deutchland Vorwürfe oder Häme. Ein besonderer Coup ist dabei die jüngste Anzeigenkampagne eines italienischen Verlegers, der allen Ernstes Italien mehr oder minder als Vorbild erklärt und menschliches Mitleid für Griechenland einfordert.

Es bedarf keiner grossen Phantasie, dass auch hierzulande sich bald die Bereitschaft dramatisch verändern wird, weiter vorbehaltlos in Europa zu investieren. Solange es guten Grund zur Annahme gibt, dass es die hiesigen Ersparnisse sind, an denen der Euro und insbesondere die Schuldenstaaten aus dem Süden genesen sollen, werden sich immer mehr Bürger dem eigenen Land eher verpflichtet fühlen als den Steuerflüchtenden anderer Nationen. Vielleicht reicht ja trotz allem die Phantasie eines Zerfalls Europas in die feindliche Kleinstaaterei des vergangenen Jahrhunderts aus, um letztlich doch einen zukunftsgerichteten Ausweg in Richtung mehr anstatt weniger Europa zu finden. Die zu wünschen ist Pflicht, zu hoffen mutig, zu erwarten kaum. Hoffen wir also auf ein Ende des Schreckens und einen Neubeginn für den europäischen Gedanken!

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