Living in the BRD, im Land von Betrug, Raffgier und Dummheit

Erstaunliches geschieht! In unserem Land, einst durch Gesetz, Recht und Ordnung und praktizierter Anständigkeit seiner Bürger ein scheinbar sicherer Ort. Neuerdings wird hier geprügelt, verunglimpft, gepöbelt und gemordet. Unter den Augen einer mit modernsten Spähtechniken ausgestatteten Ordnungsmacht werden Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr Verbrechen begangen, folgen den hetzenden Worten die angekündigten Taten. Und jeden Tag gibt es neue Nachrichten über die Kreise, die man erst einmal auf Jena bannen wollte. Wie in einem Krebsgeschwür wuchern die Zellen allerorten. Und dies unter den Augen und mit Wissen der Dienste, die vermeintlich alles unter Kontrolle hatten. Was, so könnte eine Frage lauten, sind solche V-Leute denn überhaupt wert, wenn es noch nicht einmal ernstzunehmende Hinweise von ihnen gab oder steht V neuerdings für Versagen?! Und wie steht es mit den sehenden Augen der Ordnungskräfte, die überall hinsahen, aber das Naheliegende übersahen? Muss man jetzt sogar vermuten, dass es eine Duldungsbereitschaft gab, die klammheimlichen Freunde auch in den Reihen unserer Gesetzeshüter ihren Netzwerkplatz hatten? Bevor jetzt wieder die ministeriellen Nebelkerzen geschwungen werden und mit dem NPD Verbotsantrag das Thema von der Tagesordnung geschubst wird, sollten wir Aufklärung schaffen und alle Winkel ausleuchten, in die sich die sich die der Kumpanei sehr zum Verwechseln nahe kommende Inkompetenz unserer Organe zu verstecken suchen. Denn es geht bei alledem nicht nur um das Ansehen, sondern um tatenloses Zusehen. Was wir auch ändern müssen, ist dieses geradezu hemmungslose Verschweigen von deutlich spürbarer, an grenzenloser Dummheit nur knapp vorbeigehenden Inkompetenz. Kondolenzbesuche bei den Opfern sind sicher ein wichtiges Zeichen für die Wahrnehmung von Verantwortung für Fehler. Das reicht aber bei weitem nicht, denn wenn nicht wenigstens die gravierensten Ursachen, wie einseitige Ermittlungen und Nichtweitergabe von Informationen von Bundesland zu Bundesland beseitigt werden, gibt es keine Sicherheit, dass eine Neuauflage dieser Fehler vermieden werden kann. Zu dem Neuanfang gehört auch, dass wir V-Leute brauchen, die diesen Namen verdienen, wobei V in diesem Fall für Verantwortung steht.

Verantwortung ist in dieser Zeit und in diesem unserem Lande ein äusserst knappes Gut. Eigentlich müsste das dazu führen, dass sich viele darum bemühen. Merkwürdigerweise scheint das aber ein eher lästiges Utensiel zu sein, denn diejenigen, die sie eigentlich von Amts, Funktion oder Vertrags wegen haben, nehmen sie oftmals nicht wahr oder geben sie freigiebig weiter. Nur wenige finden sich unter vernehmbarem Ächzen und Stöhnen gelegentlich bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Jedoch wiegt sie meist so schwer, dass es wieder die Umstände sind, die natürlich niemand voraussehen konnte, die dann die Verantwortung zu übernehmen haben. Dennoch sind viele dieser potentiellen Verantwortungsträger eben deswegen so gut bezahlt und hoch im Ansehen, weil sie ja eben diese unglaublichen Lasten tragen wollen sollen. Und sei es, um uns, der meist schwächelnden Gesellschaft, ein würdiges und anspornendes Vorbild zu sein. So dürfen wir uns denn z.B. an dem Freiherrn zu Guttemberg moralische Orientierung abholen, einem Menschen von Geld, Adel und auch guten Vorsätzen, wie man weiss. Denn betrügen, also vorsätzlich seinen wohlmeinenden Doktorvater täuschen und die Umwelt blenden, nein, das wollte er nie und nimmer. Es ist einfach so geschehen, die bekannten schrecklichen und so nicht vorhersehbaren Umstände haben es so unglücklich mit ihm gemeint. Man kann sich da doch gar nicht gegen wehren, etwa den Plan einer Dissertation aufzugeben, das kann man doch nicht verlangen. Und eine Wettertanne muss sich da auch nicht verbiegen, die ist schon aus krummem Holz gewachsen. Fehler ? Ja. Verantwortung und Einstehen dafür ? Fehlanzeige. Der Kairos wars, der war halt nicht so gut. Dafür, man verzeihe dieses eigentlich unsägliche phonetisch inspirierte Wortspiel, war die Kroes wohl um so besser. Jemanden wie den Baron als Internetbeauftragten der EU zu bestellen, zeugt von einem beachtlichen politischen Feingefühl! Sie brauche, so unsere Nelly Kroes, keinen Heiligen für diese Stelle. Vielleicht suchte sie ja auch nur nach einem Schein-Heiligen? Sollte es einen raffinierten Plan gegeben haben, die EU-Politik an dieser Nahtstelle zur jungen Generation gänzlich unglaubwürdig zu gestalten, dann ist der bestens aufgegangen!

Wer geglaubt hatte, mit dem jüngsten Auftritt unseres Lügenbarons bereits den Gipfel der Peinlichkeit erreicht zu haben, musste sich eines Schlechteren belehren lassen: Schlimmer geht immer, so mag sich mancher gedacht haben, als die ersten Berichte über die Finanzgeschäfte unseres obersten Staatsdieners die Runde machten. Eingebettet in Fotostrecken über die als „Wüstenblume“ in farbig mutig variierenden sowie flatternden Gewändern posierende First Lady hatten zunächst auf Bedeutung getrimmte Berichte über die Staatsbesuche bei den arabischen Golfstaaten ein würdiges Bild unseres Repräsentanten Wulff gezeichnet. Wulff auf Reisen bietet offensichtlich immer die Gewähr für Ungewöhnliches. Lagen die Peinlichkeiten früher in der Ferne, nämlich in der Vorteilsnahme von Flügen und Logis bei reichen Freunden, verquickten sich diesmal die Unannehmlichkeiten aus der scheinbar doch nicht so blütenreinen Vergangenheit in der Heimat mit den volltönenden Worten des Staatsmannes, der die Welt im Blick und die Lösungen im Manuskript hat. So tönte er in Dubai über die Finanzindustrie, die er in Teilen als „verwildert“ bezeichnete und die nur mithilfe von mehr Regulativen zu domestizieren seien. Den jungen Scheichs schärfte er das Gewissen, dass sie nicht Schulden mit mehr Schulden bekämpfen sollten. „ Man kann nicht auf Dauer und auf Kosten der Zukunft Schulden machen“ so sagte er dort und rief zu einem nachhaltigen und soliden Wirtschaften auf. Wohl keiner der anwesenden Hörer ahnte zu diesem Zeitpunkt, wie stark von persönlichen Erfahrungen diese wichtigen Aussagen mitgeprägt waren. So muss man wohl nach heutiger Kenntnis der Dinge bzw. den Erklärungen aus Berlin annehmen, dass weder die Ortssparkasse noch die Volksbank damals bereit gewesen sind, dem frisch geschiedenen und neuvermählten damaligen MP Niedersachsens mit einer schlappen halben Million Euro ein Heim fürs neue Glück zu finanzieren. Vermutlich haben diese Kassen die Spargroschen wild anderweitig verzockt. In der Not fand sich aber doch noch eine Lenderin of the allerlast Resort und streckte als mütterliche Freundin ein Teil ihres Vermögens zu mässigen Konditionen vor. Da es aus der Schweiz kam, musste es irgendwie ja umgerubelt werden und fand über das Konto des väterlichen Freundes, einem Herrn Geerkens, ein dynamischer multitaskender Unternehmer ursprünglich aus Osnabrück, derzeit aber im Schweizer Kanton Zug zuhause, sein Finanzierungsziel, nämlich das beschauliche Familienhaus in Niedersachsen. War da was mit der Schweiz? Etwa Schwarzgeld oder Steuerparadies, Geldwäsche oder so was? Ein Schuft, wer so was denkt. Wie sagte doch Herr Geerkens: „Es war beiden Seiten geholfen“.Es sei der Vollständigkeit halber hinzugefügt, dass sich dann doch eine Bank bereit fand, die aus dem Ländle, wo man (fast) alles versteht, einen richtig ordentlichen Kreditvertrag mit Eintrag im Grundbuch etc. zu machen.

Hübsch sich vorzustellen, wie unser Präsident künftig Reden über moralisch richtiges Verhalten etwa dem Thema Schuldenmachen und solides Wirtschaften hält. Vielleicht sollte man in Brüssel einen neuen Beraterposten schaffen, z.B. den für nachhaltiges Umschulden. Einen dafür bestens geeigneten Kandidaten, bestimmt auch dieses mal keinen Heiligen, könnten wir gleich mitliefern.

Düsseldorf, im Dezember 2011

This entry was posted in Public Relations. Bookmark the permalink.