Auch wir können mehr

Die Vereidigung von Barack Hussein Obama zum 44. Präsidenten der USA markiert einen historischen Moment von einer Tragweite . Damit erfüllte sich nicht nur der Traum vieler farbigen US-Amerikaner nach gleichberechtigter politischer Teilhabe .Die Millionen Teilnehmer der Zeremonie in Washington und die nach Milliarden zählenden Zuschauer in aller Welt hat dieser Tag in dem Glauben bestärkt, wenn sie nur entschlossen genug angepackt werden, dass alle Probleme lösbar seien. Das Obama Motto „Yes, we can“ ist inzwischen zu einem weltweiten politischen Muntermacher mutiert . Indem Obama die in der Tat gewaltigen Probleme schonungslos ansprach, die Lösung als notwendige Verpflichtung aller beschrieb, hat er in geradezu mustergültiger Weise das getan, was der römische Staatsmann Cicero schon vor 2000 Jahren als unerlässliche Vorraussetzung für den Zusammenhalt eines Gemeinwesens betrachtete und mit Concordia Omnia , heute würde man „Wir-Gefühl“ sagen, bezeichnete. Gerade in einer breit ausgefächerten Gesellschaft ist der Zusammenhalt durch das gemeinsame Verständnis von Grundwerten wichtig, in einer Krise geradezu lebenswichtig. Dieses Wir-Gefühl hat aber nur dort Bestand, wenn,wie Cicero feststellte, das Leitungspersonal des Staates durch Reden ,Tun und moralische Integrität überzeugen.Auch wir haben allen Grund, unserer Gemeinwesen dahingehend zu überprüfen. Oder könnten wir uns angesichts der verherenden Integrationsbefunde etwa vorstellen, eine Kanzlerin mit türkischem Migrationshintergrund zu wählen? Noch geniessen unsere demokratischen Strukturen und die sie repräsentierenden Politiker einen Vertrauensvorschuss. Sollten die konjunkturellen Care-Päckchen allerdings ihre Wirkung doch verfehlen, und der von einigen befürchtete Krisentsunamie in diesem Jahr über die Wirtschaft hinwegrollen, könnte sich dies zu einem wirklichen Stabilitäts-Test unserer politischen Strukturen hierzulande, aber auch in Europa erweisen. Die immer noch lodernde Protestwelle in Griechenland, könnte der Funke für flammende Proteste Kernländern Europas sein. Die an den Märkten sich aufspreizenden Risikoprämien für die Euroländer sprechen eine deutliche Sprache.Es muss aber der Politik zugute gehalten werden, dass ihr ein zusätzliches Mass an Verantwortung unfreiwillig aufgenötigt wurde durch das eklatante Versagen gosser Teile der Führungselite unserer Wirtschaft, angeführt von den Vertretern der Finanzwirtschaft. Fern sind jene Zeiten, in denen sich diese Führungskräfte auch der gesellschaftlichen Verantwortung und der daraus abgeleiteten Verpflichtung zum öffentlichen Diskurs gestellt haben. Das öffentlich wahrgenommene Bild von unserer Wirtschaftselite wird derzeit stattdessen in einer geradezu frappierenden Häufigkeit von strafbewehrten Handlungen wie Steuerhinterziehung, Korruption, Insiderhandel, Bespitzelung etc. geprägt. Und sei es nicht schon für das Selbstverständnis demütigend genug, dass sich Banken in die Schutz-Haftung des Staates begeben müssen, um überleben zu können, wird dieses Zerrbild komplettiert durch die Hybris einst braver Familienunternehmer, die sich ebenso verzockt haben wie andere Teilnehmer des Casino-Kapitalismus.Es kann unter diesen Umständen wohl kaum noch wundern, dass die Zustimmung zur Marktwirtschaft in der Bevölkerung deutlich abgenommen hat. Dramatisch ist auch der Befund einer jüngsten Studie des BDI, dass sich immer weniger Beschäftigte mit dem eigenen Unternehmen identifizieren. Gerade in unserer wissensbasierten Gesellschaft stellt Motivation und Eigeniniative ein unverzichtbares Kapital dar, dessen Wert gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Wenn aber dieses für unsere markwirtschaftliche Ordnung wichtigen Multiplikatoren sich durch innere Kündigung abwenden, weil sie z.B. in ihrer täglichen Arbeit nicht mehr ausreichende Wertschätzung erfahren und keine Gestaltungsräume für eigenverantwortliches Handeln bekommen, wenn sie sich stattdessen zu misstrauisch kontrollierten Ausführungsgehilfen von Planungsvorgaben eingekästelt sehen, und überdies selbst beste Ergebnisse keinen Schutz gegen die allfälligen Rationalisierungswellen geben, dann ist Handeln dringend geboten. Wenn wir unsere inzwischen über Jahrzente entwickelten Werte einer weltoffenen modernen Gesellschaft auch in Zukunft erhalten wollen, ist das Vorbild vom „ehrbaren Kaufmann“ unvollständig, denn es geht um mehr als nur individuelle moralische Fehltritte. Notwendig sind dazu grundlegende strukturelle Veränderungen., die darauf abzielen, dass z.B. nachhaltiges umweltbezogenes Wirtschaften gleichberechtigtes Unternehmensziel sein muss wie die für die Eigentümer zu erwirtschaftende Rendite. Auch die Motivation der Mitarbeiter sowie eine glaubwürdige transparente Kommunikation gehören als Werttreiber anerkannt, übrigens nicht nur in den Diskussionen der Fachleute, sondern explizit in das Aufgabenheft von Analysten und Rating-Agenturen. Und selbstverständlich gehören sie daher auch in den Wertekodex des Corporate-Government-Kodex, der derzeit sowieso überarbeitet wird.Wenn wir wollen, dass wir aus dieser Krise gestärkt hervorgehen, müssen wir diese Chance jetzt und hier nutzen, unser Gemeinwesen auf der Grundlage neuer und gefestigter Beziehungen weiter zu entwickeln. Und es bedarf einer dazu angemessenen öffentlichen Ansprache, um diesen neuen Consensus zu befestigen,: Public Relations für die guten Beispiele machen, Foren für Diskurse bilden, Mitarbeiter in Prozesse einbinden, es gibt viele Wege. Sie alle beginnen mit dem ersten Schritt. Und der Überzeugung, wir können es!

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